Plattformregulierung und Kinderschutz: Was macht die Schweiz – und was nicht?
Beschreibung
Der Bundesrat will Plattformen regulieren, sein Vorentwurf schützt Minderjährige aber nicht gesondert. Diese Session diskutiert den Vorentwurf, die Internet-Initiative, Altersbeschränkungen für Social Media und Alternativen dazu.
Die Session bringt vier Perspektiven aus Wissenschaft, Zivilgesellschaft, Politik und Wirtschaft zusammen. Im Sinne einer offenen und interaktiven Diskussion – mit drei Beiträgen aus dem Publikum – besprechen wir Plattformregulierung und Kinderschutz.
Leitfragen
- Welche Lücken hinterlässt der Vorentwurf zur Plattformregulierung beim Schutz Minderjähriger, und sind diese bewusst gewählt?
- Was würde die Internet-Initiative anstreben und wie unterscheidet sie sich vom geplanten Vorentwurf?
- Sind Mindestaltersgrenzen für soziale Medien, wie in Australien beschlossen und in der EU diskutiert, ein gangbarer Weg für die Schweiz?
- Welche Alternativen zu Altersgrenzen stehen im Raum, inkl. Pflichten für Firmen bezüglich Inhalten, Design und Datenschutz?
Mitwirkende
Koordination
- Tommaso Giardini (Digital Policy Alert)
Moderation
- Tommaso Giardini (Digital Policy Alert)
Hauptbeteiligte (Input)
- Nadine Aebischer (Kinderschutz Schweiz)
- Simon Ruesch (Swico)
- Aurelia Tamò-Larrieux (Université de Lausanne)
- Pascal Fouquet (Piratenpartei Schweiz)
Benannte Diskutant:innen
- Estelle Pannatier (AlgorithmWatch CH)
- Rahel Estermann (Digitale Gesellschaft)
- Suzanne Vergnolle (Cnam Institute)
Régulation des plateformes et protection de l’enfance : que fait la Suisse – et que ne fait-elle pas ?
Description
Le Conseil fédéral souhaite réguler les plateformes, mais son avant-projet ne protège pas spécifiquement les mineur·e·s. Cette session aborde l’avant-projet, l’« Initiative Internet », les restrictions d’âge pour les réseaux sociaux et leurs alternatives.
Elle réunit quatre perspectives issues de la recherche, de la société civile, de la politique et de l’économie. Dans un format ouvert et interactif – avec trois contributions du public – nous discutons de la régulation des plateformes et de la protection de l’enfance.
Questions clés
- Quelles lacunes l’avant-projet de régulation des plateformes laisse-t-il dans la protection des mineur·e·s, et sont-elles délibérées ?
- Que viserait l’Initiative Internet et en quoi diffère-t-elle de l’avant-projet prévu ?
- Des âges minimaux pour les réseaux sociaux – comme adoptés en Australie et discutés dans l’UE – constituent-ils une voie envisageable pour la Suisse ?
- Quelles alternatives aux limites d’âge existent, y compris des obligations pour les entreprises en matière de contenu, de design et de protection des données ?
Intervenant·e·s
Coordination
- Tommaso Giardini (Digital Policy Alert)
Modération
- Tommaso Giardini (Digital Policy Alert)
Participant·e·s principaux·ales (input)
- Nadine Aebischer (Kinderschutz Schweiz)
- Simon Ruesch (Swico)
- Aurelia Tamò-Larrieux (Université de Lausanne)
- Pascal Fouquet (Piratenpartei Schweiz)
Discutant·e·s désigné·e·s
- Estelle Pannatier (AlgorithmWatch CH)
- Rahel Estermann (Digitale Gesellschaft)
- Suzanne Vergnolle (Cnam Institute)
Platform regulation and child protection: what is Switzerland doing — and what not?
Description
The Federal Council wants to regulate platforms, but its preliminary draft does not protect minors as a distinct matter. This session discusses the draft, the ‚Internet Initiative‘, age restrictions for social media and alternatives to them.
It brings together four perspectives from academia, civil society, politics and business. In an open, interactive format — with three contributions from the audience — we discuss platform regulation and child protection.
Key questions
- What gaps does the draft platform regulation leave in protecting minors, and are they deliberate?
- What would the Internet Initiative aim for, and how does it differ from the planned draft?
- Are minimum age limits for social media — as adopted in Australia and discussed in the EU — a viable path for Switzerland?
- What alternatives to age limits are on the table, including obligations for companies regarding content, design and data protection?
Speakers
Coordination
- Tommaso Giardini (Digital Policy Alert)
Moderation
- Tommaso Giardini (Digital Policy Alert)
Key participants (input speakers)
- Nadine Aebischer (Kinderschutz Schweiz)
- Simon Ruesch (Swico)
- Aurelia Tamò-Larrieux (Université de Lausanne)
- Pascal Fouquet (Piratenpartei Schweiz)
Named discussants
- Estelle Pannatier (AlgorithmWatch CH)
- Rahel Estermann (Digitale Gesellschaft)
- Suzanne Vergnolle (Cnam Institute)
Weiterführende Informationen (DE)
Diese Seite sammelt Ressourcen zur Thematik: 1) Arbeiten auf Bundesebene, 2) parlamentarische Geschäfte, 3) die Internet-Initiative, 4) internationale Entwicklungen sowie 5) Analysen aus Forschung, Zivilgesellschaft und Medien.
Vorhaben auf Bundesebene
Der Bundesrat hat seit 2021 mehrere Schritte zur Regulierung grosser Kommunikationsplattformen unternommen. Am 29. Oktober 2025 schickte er den Vorentwurf zum Bundesgesetz über Kommunikationsplattformen und Suchmaschinen in die Vernehmlassung. Der Vorentwurf orientiert sich am Digital Services Act der EU und sieht Transparenz-, Sorgfalts- und Meldepflichten für grosse Plattformen vor, enthält aber keinen Abschnitt zum besonderen Schutz Minderjähriger. Mit dem Bundesgesetz über den Jugendschutz in den Bereichen Film und Videospiele (JSFVG) hat die Schweiz einheitliche Alterskennzeichnungen und -kontrollen für Filme und Videospiele eingeführt; soziale Medien werden davon nicht erfasst.
Parlamentarische Vorstösse
- Maya Graf, Postulat (Nr. 24.4592) — Kinder und Jugendliche vor schädlichem Konsum von sozialen Medien schützen
- Céline Vara, Postulat (Nr. 24.4480) — Psychische Gesundheit von Jugendlichen und Exposition gegenüber sozialen Netzwerken
- Jean Tschopp, Motion (Nr. 26.3507) — Die psychische Gesundheit der Jugendlichen vor den grossen Kommunikationsplattformen schützen
- Mitte-Fraktion (Regina Durrer), Motion (Nr. 26.3249) — Kinder- und Jugendschutz auf digitalen Plattformen
- Céline Amaudruz, Motion (Nr. 25.4763) — Minderjährige vor Algorithmen in sozialen Netzwerken schützen
- Jean Tschopp, Motion (Nr. 25.4306) — Pflicht zur Meldung kinderpornografischer Inhalte im Internet
- Meret Schneider, Postulat (Nr. 25.3824) — Anlaufstelle für Betroffene von digitaler Gewalt
- Christine Bulliard-Marbach, Postulat (Nr. 25.3139) — Nationale Strategie für Kinder und Jugendliche
- Alex Farinelli, Frage (Nr. 24.7527) — Ein Mindestalter für den Zugang zu den sozialen Medien festlegen
- Fabio Regazzi, Motion (Nr. 24.4464) — Eine Strategie gegen den Missbrauch unserer Bilder
- Regina Durrer-Knobel, Interpellation (Nr. 24.4335) — Social Media. Wie schützt und befähigt der Bund Kinder und Jugendliche in der Schweiz?
- Tamara Funciello, Motion (Nr. 24.4146) — Persönlichkeitsrechte der Kinder endlich schützen!
- Claudia Friedl, Motion (Nr. 24.4090) — Verstärkung der Präventionskampagnen zu neuen Medien
- Raphaël Mahaim / Nina Fehr Düsel, Motion (Nr. 24.4018 / 24.4025) — Verbreitung der entwürdigenden Nudify-Apps einschränken
- Christine Bulliard-Marbach, Motion (Nr. 24.4020) — Das Hosting von Kinderpornografie in der Schweiz nicht hinnehmen
- Patricia von Falkenstein, Interpellation (Nr. 24.4009) — Schaffung eines Labels für Smart Toys, Apps und Games zum Schutz der Kinderrechte
- Kommission für staatspolitische Fragen NR, Postulat (Nr. 24.3479) — Schutz der Rechte im digitalen Bereich
- Valentine Python (übernommen durch Raphaël Mahaim), Motion (Nr. 23.3693) — Übermässige Exponierung von Kindern im Internet (Sharenting)
Kurzgefasst umfassen die Diskussionen fünf Bereiche: Altersverifikation und Altersgrenzen; Designvorgaben für suchtfördernde und algorithmische Funktionen; Melde- und Sorgfaltspflichten für Plattform-, Hosting- und Cloud-Anbieter; Schutz der Persönlichkeitsrechte von Kindern; sowie die Frage, ob die geplante Plattformregulierung Minderjährige ausreichend schützt.
Internet-Initiative
Die eidgenössische Volksinitiative « Zum Schutz der Grundrechte und der Demokratie im digitalen Raum (Internet-Initiative) » wurde am 3. März 2026 lanciert; die Sammelfrist läuft bis zum 3. September 2027. Das Initiativkomitee besteht aus einer überparteilichen Allianz. Die Initiative verlangt einen neuen Artikel 93a BV und erfasst insbesondere Kommunikationsplattformen, Suchmaschinen und Anbieter generativer KI; sie betrifft damit auch den Schutz Minderjähriger, ist aber breiter angelegt als eine reine Online-Jugendschutzinitiative.
Internationale Entwicklungen
Die folgende Auswahl stützt sich auf die Digital Policy Alert-Datenbank.
EU-Ebene:
- Europäische Kommission — Sorgfaltspflichten unter dem Digital Services Act; Artikel 28 verpflichtet Plattformen zum Schutz Minderjähriger. Am 14. Juli 2025: Leitlinien zum Schutz Minderjähriger sowie ein Blueprint für eine europäische Age-Verification-Lösung.
- European Board for Digital Services — koordinierte Aktion zur Altersverifikation auf Pornographieplattformen (Mai 2025).
Mitgliedstaaten mit Altersverifikationspflichten:
- Frankreich — Gesetz Nr. 2023-566 (digitale Volljährigkeit, noch nicht in Kraft); im Januar 2026 in erster Lesung eine Gesetzesvorlage zum Schutz Minderjähriger mit Registrierungsverbot für unter 15-Jährige.
- Italien — Decreto Caivano und AGCOM-Resolution 96/25/CONS (2025); teilweise annulliert durch das TAR Lazio.
- Griechenland — Kids-Wallet-Applikation (Mai 2025).
- Spanien — Gesetzespaket mit Altersverifikation und Zugangsverbot für unter 16-Jährige (Februar 2026, noch nicht verabschiedet).
Weitere Jurisdiktionen:
- Australien — Online Safety Amendment (Social Media Minimum Age) Act 2024 (Mindestalter 16; gilt seit 10.12.2025); begleitend regulatorische Leitlinien und Privacy Guidance.
- Vereinigtes Königreich — Online Safety Act 2023; Ofcom-Vorgaben zu Children’s Risk Assessments und Children’s Register of Risks; Children’s Wellbeing and Schools Act 2026.
- USA — KOSA und COPPA 2.0; einzelstaatliche Gesetze in Kalifornien, Utah und New York.
Berichte, Studien und Positionspapiere (Auswahl)
- Digital Policy Alert — Die Schweizer Plattformregulierung und der EU Digital Services Act: ein Überblick
- Kinderschutz Schweiz — Kinder und Jugendliche in der digitalen Welt schützen
- Pro Juventute — Digitale Medien: schaden sie der Gesundheit?
- EKKJ — Stellungnahme zur Plattformregulierung und zum digitalen Kinderschutz
- AlgorithmWatch CH — Social Media & KI: Kinder und Jugendliche schützen – aber wie?
- Digitale Gesellschaft — Kontra-Position zu einem Social-Media-Verbot für Jugendliche unter 16 Jahren
- Swico — Branchenposition zum Vorentwurf des Plattformgesetzes
- EU Kids Online Schweiz — Befragung zur Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen
Medienartikel (Auswahl)
- SRF — Katharina Brierley: Social-Media-Verbote? Warum Eltern andere Massnahmen brauchen
- SRF — Miriam Kull: Social-Media-Verbot: Fachwelt hat Zweifel an Wirkung
- SRF — Soll die Schweiz Social Media für Kinder und Jugend verbieten?
- SRF — Interview Mirco Manetsch: « Das Alter schützt nicht, Begleiten tut es »
- SRF — Tanja Eder: So wollen USA, EU, Schweiz und Australien Social Media zügeln
- Republik — Adrienne Fichter: Warum das Social-Media-Verbot für Teenager zum Albtraum wird
- Republik — Adrienne Fichter: Wie Bundesrat Rösti das neue Plattformgesetz verwässerte
- Republik — Mirjam Moll: Die Schweiz streitet über Social-Media-Verbote statt über Algorithmen
- NZZ — Gioia da Silva: Das Social-Media-Verbot für Teenager ist paternalistisch und gefährlich
- NZZ — Barbara Barkhausen: Australien verbietet Jugendlichen die Nutzung von Social Media
- NZZ — Simon Schaffer: Wirkt Australiens Social-Media-Verbot?
- NZZ — Daniel Gerny: Ein Social-Media-Verbot für Teenager?
